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Der Zauberberg

Nach dem Roman von Thomas Mann. - In einer Bearbeitung von Alexander Eisenach
Kurz nach der Premiere unseres „Zauberbergs“ werden sich Ende Jänner in Davos die Mächtigen dieser Welt zum Weltwirtschaftsgipfel treffen: 2.500 CEO, Minister*innen, Staatsoberhäupter, Manager*innen von milliardenschweren Fonds. Der private Verein „World economic forum“, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Welt zu verbessern, lädt zu seinem jährlichen Gipfeltreffen, 1.500 Meter über dem Meeresspiegel.

Das prominente Dorf in den Schweizer Alpen beherbergt auch das Sanatorium Berghof, das Thomas Mann 1924 zum Schauplatz seines berühmten Romans „Der Zauberberg“ machte. Darin zeichnet der Autor das Bild eines Europas, das in dicke Decken gehüllt die Katastrophe des Ersten Weltkrieges erwartet. An jenem wagnerianisch-dionysisch pulsierenden Ort ringen der Humanist Settembrini und der Terrorist Naphta um Einfluss auf den braven, jungen Hamburger Kaufmannssohn Hans Castorp. Er, der hier nur als Besucher für drei Wochen Urlaub machen wollte, wird zum Sanatoriums-Dauergast und bleibt am Ende sieben Jahre. Thomas Mann beschreibt, wie sich in der idyllischen Natur der Schweizer Bergwelt, in der luxuriösen Beschaulichkeit des Kurlebens und in der Zurückgeworfenheit auf den eigenen Körper und dessen Funktionen die Zeit in eine absolute Gegenwart auflöst – das ist große Literatur: vergnüglich und poetisch und von zeitloser Gültigkeit.

Denn Manns Roman wirkt wie ein Psychogramm des Europas unserer Gegenwart, in dem die gesellschaftliche Solidarität bröckelt und sich das Individuum zunehmend in sich selbst zurückzieht, um mit der Bearbeitung subjektiver Krankheitssymptome auf eine unübersichtliche und unverständliche Weltlage zu reagieren. Die Krankheit ist auch ein zentrales Motiv des postfaktischen Zeitalters, das eine kranke Gesellschaft beschwört, die bedroht ist vom Krebsgeschwür der Überfremdung, geschwächt von einer pathologischen Lügenpresse und gelähmt von einer zahnlosen, anämischen Bürokratie. Und während die Werte der nationalen Identität dahinsiechen, steuert das emanzipatorische Projekt Europa geradewegs in den Untergang.

Der Regisseur Alexander Eisenach, geboren 1984 in Ost-Berlin, brachte in der Spielzeit 2015 .2016 mit den „Frequenzen“ nach dem Roman von Clemens J. Setz eine vielbeachtete Inszenierung auf die Bühne des Schauspielhauses und hat sich in der Zwischenzeit neben seiner Regietätigkeit auch einen Namen als Autor gemacht. Er wird, inspiriert von Thomas Manns Roman, eine eigene Fassung dieses Werks der Weltliteratur erstellen.

Regie Alexander Eisenach Bühne Daniel Wollenzin Kostüme Claudio Irro Musik Beni Brachtel Dramaturgie Karla Mäder Video rocafilm

Es spielen: Vera Bommer (Erzähler / „Wir“), Raphael Muff (Hans Castorp), Clemens Maria Riegler (Joachim Ziemßen), Fredrik Jan Hofmann (Dr. Behrens), Evamaria Salcher (Dr. Krokowski), Florian Köhler (Settembrini), Nico Link (Naphta), Sarah Sophia Meyer (Clawdia Chauchat) und Franz Xaver Zach (Mynheer Peperkorn)
Termine
Premiere 12. Jänner 2018, 19:30 Uhr
17., 20., 24. Jänner 2018, 19:30 Uhr
6., 8., 9. Februar 2018, 19:30 Uhr
16. März 2018, 19:00 Uhr
Weitere Informationen
(c) Foto: Lupi Spuma
Veranstaltungsort/Treffpunkt