Susanne Wenger: Àdùnní Olórìṣà
Info: halle-fuer-kunst.at ↗
Foto: Susanne Wenger

Nach mehr als zwanzig Jahren kehrt Susanne Wengers Werk nun mit der Ausstellung Àdùnní Olórìṣà nach Graz und in jenes Haus zurück, in dem ihr noch zu Lebzeiten 2004 eine Ausstellung gewidmet und das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark für ihr Lebenswerk verliehen wurde, und in Folge das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. In Zusammenarbeit mit der sich um die Bewahrung ihres Werkes verdienstvoll einsetzenden Susanne Wenger Foundation in Krems präsentiert die HALLE FÜR KUNST Steiermark in einer sorgsam zusammengestellten Auswahl das facettenreiche Œuvre der Künstlerin. Neben beeindruckenden Batiken werden auch ausgewählte Malereien und Zeichnungen gezeigt. Hervorzuheben sind ihre frühen Buntstiftzeichnungen Traumgesichte, die 1943/44 während des Krieges in Wien entstanden. Diese von übergroßen Insekten und einem monströsen Hasen bevölkerten Bildwelten bewegen sich zwischen Traum und Albtraum und spiegeln eine innere Auseinandersetzung mit Angst, Ohnmacht und psychischer Bedrängnis wider.
Im Zentrum der Ausstellung stehen jedoch Wengers großformatige Textilarbeiten – farbintensive Batiken, die Mythen von Schöpfung, Tod, Opfer und Wiedergeburt vereinen. Seit den 1970er-Jahren entwickelte Wenger eine eigenständige Technik, die Elemente von Batik, Textilmalerei und Indigofärbung zu einem „spontanen Fluss“ verbindet. Diese detailreichen Wachsbatiken, von ihr als textile cloth paintings bezeichnet, zeichnen sich durch besondere Ausdruckskraft aus. Den späteren Arbeiten gingen die sogenannten àdìrẹ-Batiken aus den 1950er- und 1960er-Jahren voraus, die auf einer traditionellen Yorùbá-Technik basieren und mit natürlich gewonnenem Indigo gearbeitet sind. In ihnen wird die Verbindung zwischen europäischer Moderne und der Mythologie des Yorùbá-Kulturkreises deutlich – einem zentralen Bezugspunkt ihres Schaffens. Wengers Batiken verknüpfen Yorùbá-Symbole mit einer abstrakt-organischen Formsprache. Charakteristisch sind fließende Linien, rhythmische Kompositionen und natürliche Farbtöne wie Indigo, Braun, Ocker und Rot, die eine tiefe Verbundenheit mit den spirituellen Kräften der Erde ausdrücken. Dabei sind ihre Textilarbeiten weit mehr als dekorative Stoffe: Ihre Motive verweisen auf die Òrìṣà, die Gottheiten der Yorùbá-Religion, und entfalten ein reiches, narrativ verflochtenes Bildgefüge.
Neben der eindrucksvollen Präsentation der Textilarbeiten zeigt die Ausstellung auch Malereien aus späteren Jahren. Nach einer längeren Pause wandte sich Wenger Mitte der 1960er-Jahre wieder der Ölmalerei zu. In ihrer Serie Icons of Great Sadness (1993−1995) suchte sie mit ihrer Kunst eine Erweiterung der Realität und eine Transformation des gesellschaftlichen Bewusstseins. In diesen Gemälden verschmelzen Figuration und Abstraktion; Raum und Zeit scheinen aufgehoben, während sich zugleich Einblicke in ihr inneres Erleben eröffnen.
In Nigeria war Susanne Wenger als Àdùnní Olórìṣà bekannt – ein Ehrenname aus der Yorùbá-Kultur. Der Name Àdùnní bedeutet „diejenige, die man gerne um sich hat“, Olórìṣà bezeichnet eine in die Gottheiten Òrìṣà Eingeweihte. Diese Anrede würdigt Wengers enge spirituelle Verbindung zur Gottheit Ọbàtálá und ihre herausragende Rolle als Künstlerin und Priesterin im kulturellen Leben von Òṣogbo. Die Ausstellung lädt dazu ein, das tiefgründige Werk und beeindruckende Leben von Susanne Wenger beziehungsweise Àdùnní Olórìṣà neu zu entdecken – als künstlerisches und spirituelles Vermächtnis von beeindruckender Aktualität.
Kuratiert von Sandro Droschl
Eröffnung 6. Februar 2026, 18:00 - 21:00 Uhr
7. - 28. Februar 2026, Di - So 10:00 - 18:00 Uhr
1. - 31. März 2026, Di - So 10:00 - 18:00 Uhr
1. - 19. April 2026, Di - So 10:00 - 18:00 Uhr
7. - 28. Februar 2026, Di - So 10:00 - 18:00 Uhr
1. - 31. März 2026, Di - So 10:00 - 18:00 Uhr
1. - 19. April 2026, Di - So 10:00 - 18:00 Uhr
Weitere Informationen
Eintritt: Freier Eintritt
HALLE FÜR KUNST Steiermark
Burgring 2, 8010 Graz
www.halle-fuer-kunst.at
+43 (0) 316 740 084
info@halle-fuer-kunst.at
Haltestelle Tummelplatz: Buslinie 30
Haltestelle Maiffredygasse: Straßenbahnlinien 1,7; Buslinien 31,39
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