Grazer Vorlesungen zur Kunst des Schreibens mit Mascha Jacobs,

Mo 18.5., 19:00 Uhr (bis Di 19.5.)

Foto: kk
Flyer der Veranstaltung
Teil 1: Under an Influence
„Und was nützen Bücher,“ dachte Alice, „ohne Bilder und Gespräche?“ in „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll. Dieses Zitat führt direkt ins Herz der Vorlesungen, in denen es um die Begeisterung für Texte gehen soll. Und wie sie übertragen und vermittelt werden kann. In ihren Vorlesungen will Mascha Jacobs darüber nachdenken, wie sich Lesen und Schreiben gegenseitig befeuern. Wie Sprache an die Lust gebunden ist und wie sie ein Begehren freisetzen kann, das sowohl Lesende als auch Schreibende kennen. Auch in ihrem seit 2018 erscheinenden Podcast „DEAR READER“, in dem sie lesebegeisterte Autor:innen einlädt, mit ihr über ihre Lieblingstexte zu sprechen, geht es um diese Wechselwirkung zwischen fremden Texten und dem eigenen Schreiben.

Doch was sind verführerische Texte? Was macht sie aus? Wie verändern sie die, die sie lesen? Und was machen sie daraus? Wie überträgt sich die Begeisterung im Gespräch auch auf andere? Wie stark sind die eigenen Bewertungskriterien und wann gelingt es Texten, die man aus verschiedenen Gründen nicht mag, dass man sich ihnen dennoch hingibt?

Lesen erfordert eine Art Hingabe, die keinesfalls passiv ist, sondern ein inneres Gespräch auslöst und uns zugleich von uns selbst absehen lässt. Statt wie in ihrem Podcast Ihnen und Euch zwei ihrer Lieblingstexte vor dem Hintergrund dieser Fragen vorzustellen, will Mascha Jacobs am ersten Abend unter dem Titel „Under an Influence“ Texte in den Vordergrund stellen, die aus Liebe zu anderen Texten entstanden sind: „Albertine. 59 Liebesübungen + Appendizes“ von Anne Carson (Matthes und Seitz) und „Zwei Jahre aus dem Leben mit Gertrude Stein“ (Brinkmann und Bose) von Frieda Grafe.

Teil 2: Every Letter is a Loveletter
Auch den zweiten Abend soll diese Kettenbewegung begleiten. Unter dem Titel „Every Letter Is a Loveletter” wird Mascha Jacobs dann über Briefromane und Briefe sprechen, die ihr eigenes Schreiben inspiriert haben. Derzeit arbeitet sie an einem Briefroman, der im Herbst 2027 bei Ullstein erscheinen wird. Sie hat auch schon journalistische Texte in die Briefform gegossen. Ausgehend von ihrem eigenen Schreiben möchte sie über Briefe als offene Form und Gefäß für eine besondere Art der intimen Kommunikation sprechen, die die Lesenden in eine voyeuristische Position bringt.

Briefe simulieren Intimität, die immer literarisch vermittelt ist. Sie sind, wie Heike Geißler sagt, „Fragmente in Drag“. Denn aufgrund ihrer offenen und experimentierfreudigen Form mischen sich in ihnen erzählerische und essayistische Elemente. Außerdem beziehen sie sich oft auf das alltägliche Leben und sprachen literaturhistorisch vor allem Frauen an, die nicht (wissenschaftlich) gebildet waren. Für jemanden, der stark von der Beschäftigung mit Popkultur geprägt ist wie Mascha Jacobs, sind vor allem das Spiel mit „Authentizität“ und die als „weiblich“ kodierte Lesart interessant. Die Briefkultur wurde ästhetisch abgewertet, sobald sich viele Frauen darin äußerten, um sie als „trivial“, gefühlsbetont, unmittelbar und unreflektiert abzutun, anstatt ihren literarischen Wert zu schätzen.

Da Briefromane scheinbar gesprächsnah und „authentisch“ sind, wurden und werden sie oft entwertet. Gerade wegen ihres vermeintlichen Zugangs zu Aufrichtigkeit und Tiefe sind sie jedoch zum idealen Genre geworden, um mit diesen Zuschreibungen zu spielen. Das lässt sich an den Briefromanen „Von Paul zu Pedro. Amouresken” von Franziska zu Reventlow (Reclam), I Love Dick” (Semiotexte) von Chris Kraus und in „Zoo. Briefe nicht über Liebe oder Die dritte Heloise” von Viktor Schklowski (Guggolz Verlag) nachvollziehen. Und an einigen Filmen von Chantal Akerman („News from Home“, „Letters home“), in denen Briefe formal interessant eingesetzt werden.



In Kooperation mit dem Institut für Germanistik und dem Literaturverlag Droschl


Termine
18., 19. Mai 2026, 19:00 Uhr


Literaturhaus
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www.literaturhaus-graz.at
+43 (316) 380-8360
literaturhaus@uni-graz.at
Haltestelle Merangasse: Straßenbahnlinien 1,7; Buslinien 63,64,64E