Sascha Paar Glorious Soil

Do 3.12., 18:00 Uhr

Foto: Sascha Paar
Sujet der Veranstaltung
Eine Person läuft auf einem Laufband. Neben ihr liegt Erde. Die Bewegung setzt ein und wiederholt sich, ohne den Körper voranzubringen, er bleibt in Bewegung und zugleich am selben Ort. Zwischen den Laufbewegungen entstehen Unterbrechungen und Verschiebungen, bevor die Person in den Rhythmus des Laufbands zurückkehrt.

Das Laufband steht für eine Form von Arbeit, in der Bewegung nicht mit Fortbewegung gleichzusetzen ist. Der Körper nimmt einen Rhythmus auf, hält ihn aufrecht und muss doch weitermachen. Der französische Choreograf und Theoretiker André Lepecki hat beschrieben, wie Bewegung auch einem gesellschaftlichen Imperativ folgen kann: aktiv zu bleiben, sich weiterzubewegen, nicht stehen zu bleiben. Aus der Perspektive der embodied labour lässt sich zugleich fragen, wie sich Arbeit in den Körper einschreibt – in seine Bewegungen, Rhythmen und Belastbarkeit.
Glorious Soil bringt diese beiden Perspektiven in eine konkrete körperliche Situation.

Sascha Paar verbindet diese Situation mit der industriellen Prägung seiner Herkunft. Als Sohn eines Fabrikarbeiters in Bruck an der Mur aufgewachsen, kennt er eine Arbeitswelt, deren Rhythmen über Generationen auch das Leben außerhalb der Fabrik bestimmt haben.
Eisen- und Stahlindustrie sowie Papier- und Zellstoffindustrie haben in der Steiermark nicht nur Landschaften und Arbeitsplätze geprägt, sondern auch Vorstellungen von Zeit, Verlässlichkeit und Leistung.
Schichtarbeit ordnete den Alltag in Früh‑, Spät- und Nachtschichten; Arbeit und Freizeit, Wochentage und Wochenenden folgten einem vorgegebenen Rhythmus. In Glorious Soil verbindet sich diese Erfahrung von Arbeit und eingeprägten Arbeitsrhythmen mit der Frage nach Ort und Herkunft.

Diese industrielle Ordnung verändert sich. Mit ihr verändern sich Arbeitsplätze, Regionen und Lebensweisen. Der Anspruch, sich zu bewegen, aktiv und produktiv zu bleiben, verschwindet jedoch nicht. Er nimmt andere Formen an. Glorious Soil hält diesen Widerspruch in einer einfachen Situation fest: Ein Körper bewegt sich, unterbricht, setzt wieder ein und bleibt dabei am selben Ort.

Die Performance Glorious Soil wird an einem Abend dreimal gezeigt, jeweils zur vollen Stunde. Ihre Wiederholung wird damit selbst Teil der Aufführungssituation: Die Arbeit erscheint nicht als einmaliges Ereignis, sondern als Ablauf, der sich innerhalb eines Abends mehrfach wiederholt.

Künstler:innen

Sascha Paar
* 1992 Bruck/Mur, lebt in Graz und München

Choreograf, Performer, Bewegungsregisseur und Tanzpädagoge. Studierte von 2014 bis 2017 Zeitgenössischen Tanz an der Palucca Hochschule für Tanz Dresden, arbeitete als Performer an verschiedenen Institutionen und kooperierte mit international renommierten Choreograf.
Choreografien: HEIMATKÖRPER, HochX Theater und Live Art, München und Theater am Lend, Graz (2026); GRENZKÖRPER, PATHOS Theater, München (2025); Misfit DIVAS, KOMPLEX Theater, Chemnitz (2022).
Performer für: Ceren Oran & Moving Borders, Ohad Naharin, Marco Goecke, Alexander Ekman, Kaori Ito u. a.

Dan Ozeri
Tänzer, Performer und Choreograf. Studierte an der Jerusalem Academy of Music and Dance und absolvierte seine Tanzausbildung an der Dutch National Ballet Academy. Als Tänzer arbeitete er u. a. beim Israeli Ballet, Polish National Ballet und dem Theater Chemnitz. Seit 2024 arbeitet er freischaffend in verschiedenen Tanz- und Performanceprojekten in Europa. Eigene Arbeiten zeigte er u. a. beim Internationalen Solo-Tanz-Theater Festival Stuttgart, Sfora Festival und im Rahmen von Queer in Transit in Kopenhagen. Weitere Zusammenarbeiten führten ihn zu Projekten und Festivals in Berlin, Warschau, Köln und Wales.

Giovanni Raabe
Musiker, Komponist, bildender Künstler und Grafiker. In lokalen Metal- und Hardcore-Szenen als Schlagzeuger sozialisiert, tritt er seit 2019 als elektronischer Solo-Musiker Brnjsmin auf. Er tourt international und produziert Musik für Alben, Film, Theater, Installationen und Performances. Zuletzt war er Teil von Christoph Mehlers Hamlet am Stadttheater Ingolstadt und Paula Schlagbauers Bavarokratie an den Münchner Kammerspielen, entwarf den Klang zur Installation Ego Death von Maximilian Gutmair und veröffentlichte sein zweites Album Büro of Music auf Verydeeprecords.

Tahnee Matthiesen
Tahnee Matthiesens künstlerische Praxis bewegt sich seit Jahren zwischen Musik, Text, Film, Theater und Performance. Sie arbeitete als Sängerin und Texterin einer TripHop-Band, produzierte Musikvideos und war an Film- und Theaterproduktionen beteiligt. Ein kontinuierlicher Bestandteil ihrer Praxis ist das Schreiben von Alltags-Lyrik und poetischen Texten. In ihrer Arbeit interessiert sie sich für Menschen, ihre emotionalen Zustände und ihren Ausdruck sowie für die kleinen Dinge, die oft dazwischen liegen. Seit sieben Jahren arbeitet sie zudem als Gärtnerin im ländlichen Raum.


Termine
03. Dezember 2026, 18:00, 19:00, 20:00 Uhr

Weitere Informationen
Eintritt: frei


HALLE FÜR KUNST Steiermark
Burgring 2, 8010 Graz
www.halle-fuer-kunst.at
+43 (0) 316 740 084
info@halle-fuer-kunst.at
Haltestelle Tummelplatz: Buslinie 30
Haltestelle Maiffredygasse: Straßenbahnlinien 1,7; Buslinien 31,39


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